Kreisgruppentechniker Schulung in Dülmen

Dülmen. In der Schornsteinfeger-Akademie in Dülmen trafen sich 61 Kreisgruppentechnikerinnen und Kreisgruppentechniker zu einer umfangreichen Fortbildung. Als zentrale Multiplikatoren des Schornsteinfegerhandwerks tragen sie aktuelles Fachwissen aus Landes- und Verbandsebene direkt in die einzelnen Betriebe ihrer Kreisgruppen. Ziel der Schulung war es, aktuelle technische, rechtliche und digitale Entwicklungen praxisnah zu vermitteln und damit die fachliche Qualität im Handwerk weiter zu stärken.

Eröffnet wurde die Veranstaltung durch Andreas Schoßland, Vorstand Technik, gemeinsam mit Landesinnungsmeister Dirk Franck. In ihrer Begrüßung betonten sie die besondere Rolle der Kreisgruppentechniker als Bindeglied zwischen Fachgremien, Innung und den Betrieben vor Ort. Gerade in Zeiten zunehmender technischer und regulatorischer Anforderungen komme ihrer Arbeit eine große Bedeutung zu.

Europäische Normung und sichere Installation von Feuerstätten

Ein Schwerpunkt lag auf der europaweiten Harmonisierung technischer Normen für Feuerstätten. Referent Jens Wellen erläuterte die Inhalte der EN 16510, die Anforderungen an Feuerstätten etwa in Bezug auf Verbrennungsluftversorgung, Emissionen und Brandschutz europaweit vereinheitlicht. Ergänzend regelt die DIN 18896 den fachgerechten Einbau der Anlagen. Besonders wichtig sei dabei, dass Leistungserklärungen zwingend in deutscher Sprache vorliegen müssen, während das Typenschild der Geräte auch in einer anderen Sprache ausgeführt sein kann.

Die neuen Regelungen stellen sicher, dass sowohl Hersteller als auch Fachbetriebe klare technische und rechtliche Rahmenbedingungen haben und Feuerstätten sicher sowie normgerecht betrieben werden können.

Digitalisierung im Handwerk: Künstliche Intelligenz als Chance

Mit Blick auf die Zukunft des Handwerks stellte Hendrik Vollmer das Thema „KI im Handwerk“ in den Mittelpunkt seines Vortrags. Dabei ging es nicht nur um technische Möglichkeiten, sondern vor allem um einen strukturierten Einstieg.

Wesentliche Punkte waren:

  • einen klaren Startpunkt für den Einsatz von KI im Betrieb zu definieren
  • Tool-Chaos zu vermeiden und gezielt Anwendungen auszuwählen
  • konkrete Arbeitsprozesse zu identifizieren, die sich durch KI unterstützen lassen

Mehrere hilfreiche Werkzeuge wurden beispielhaft vorgestellt und deren Anwendungsmöglichkeiten diskutiert. Die Botschaft: Künstliche Intelligenz kann auch im Handwerk ein wertvolles Instrument sein – wenn sie gezielt und praxisorientiert eingesetzt wird.

Neue Anforderungen im Immissionsschutz

Ein weiterer fachlicher Schwerpunkt lag auf der Messung nach der 44. Bundes-Immissionsschutzverordnung (44. BImSchV), vorgestellt von Andreas Kohlmeier. Die Verordnung stellt neue Anforderungen an Messverfahren und Dokumentation bei bestimmten Anlagen und gewinnt damit zunehmend an Bedeutung für die Praxis im Schornsteinfegerhandwerk.

Auch die Abnahme von Feuerstätten sowie Feuerstättenschauen wurden intensiv behandelt. Frank Kahlmeier ging dabei auf aktuelle Anforderungen bei der Prüfung und Abnahme von Feuerungsanlagen ein und stellte praxisnahe Beispiele aus dem Arbeitsalltag vor.

Umsetzung der gesetzlichen Vorgaben

Zum Abschluss erläuterte Andreas Schoßland die Umsetzung von § 26 der 1. Bundes-Immissionsschutzverordnung (1. BImSchV) sowie aktuelle fachliche Hinweise aus dem Verband. Ein zweiter Schwerpunkt zum Abschluss des intensiven Schulungstages war auch das ZIV-Arbeitsblatt AB 106, das die Überprüfung gewerblicher Küchengeräte behandelt, ein Bereich, der für die Arbeit der Schornsteinfegerinnen und Schornsteinfeger zunehmend an Bedeutung gewinnt.

Wissenstransfer in die Betriebe

Die Veranstaltung endete mit einer offenen Abschlussrunde, in der Fragen aus der Praxis diskutiert und zukünftige Entwicklungen im Handwerk beleuchtet wurden.

Mit ihrer Fortbildung leisten die Kreisgruppentechniker einen entscheidenden Beitrag zur Qualitätssicherung, Sicherheit und Zukunftsfähigkeit des Schornsteinfegerhandwerks. Das in Dülmen vermittelte Wissen wird nun in die Kreisgruppen und von dort in die einzelnen Betriebe getragen, ein wichtiger Schritt, um technische Entwicklungen, gesetzliche Anforderungen und digitale Innovationen schnell und praxisnah im gesamten Handwerk zu verankern.